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Achtung beim Internetkauf vor AGB's

Wie aus einer Preisinsel die Hölle werden kann

Achtung beim Internetkauf vor irreführenden Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)

Im Oktober dieses Jahres war es endlich soweit: ein neuer Fernseher sollte her. Nach mehrwöchigem Suchen, Vergleichen und diversen Recherchen im Internet Stand das Modell endlich fest. Im nächsten Schritt sollte entschieden werden, wo das Gerät zu kaufen sei.
Der erste Weg führte zum Fachhändler. Tolle Beratung, guter Service. Preis des Geräts: CHF 7'900.- Der nächste Versuch wurde bei einem bekannten Grosshändler unternommen: ebenfalls kompeten-te Beratung, guter Service. Preis des gleichen Geräts: CHF 6'300.- Als letztes folgte der Vergleich im Internet. Nach langer Suche stand der billigste Anbieter für das Gerät fest: preisinsel.ch. (auch netto24.ch) Preis für dasselbe Gerät: CHF 5'300.-

Da ich noch nie ein derart teures Gerät über das Internet bestellt hatte, war ich unsicher. Ich informierte mich also eingehend über die Konditionen und die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Sah auf ersten Blick alles normal aus. Also wurde das Gerät bestellt und im Voraus bezahlt. Nach ca. 10 Tagen war das Gerät auch schon geliefert. Am gleichen Tag wurde es an die Wand montiert und beim Einschalten sah alles gut aus. Wie in einem schlechten Film stand ich aber nach wenigen Sekunden vor einem weissen Bildschirm, der vor ein paar Minuten noch schön farbig war. Klar, der Fehler musste bei mir liegen, irgendein Kabel musste falsch eingesteckt worden sein. Also, alles nochmals ausstecken und neu einstecken. Wieder ein weisser Monitor. Nach mehrstündigen Versuchen entschloss ich mich dazu, einen technisch versierten Freund um Hilfe zu bitten. Doch auch dieser konnte das Problem nicht beheben und er stellte einen Softwarefehler beim Gerät fest.

Nun gut, "Pech gehabt" dachte ich mir und rief bei der Preisinsel an um das weitere Vorgehen zu besprechen. Schon der erste Techniker behandelte mich wie einen Vollidioten: "der Fehler müsse ganz klar bei mir liegen", meinte dieser. Ich machte ihm allerdings klar, dass es sich um einen technischen Defekt handle und niemanden die Schuld treffe. Im nächsten Schritt ging es darum, den Fernseher abholen und reparieren bzw. austauschen zu lassen. Hier ging das Theater richtig los: ich sollte für die Transportkosten aufkommen! Obwohl ich absolut keine Schuld an diesem defekten Fernseher hatte, sollte ich die Transportkosten übernehmen? Das sollte wohl ein Witz sein. Nächste Hiobsbotschaft: Reparaturdauer ca. 5-6 Wochen! Der Geschäftsführer der preisinsel.ch verwies mich auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, wonach ich weder Recht auf ein Ersatzgerät, noch auf den Tausch mit einem neuen Gerät hätte! Das war genug!

Ich outete mich als Jurist und - welch Wunder - die Leute der preisinsel.ch wurden schon freundlicher. Der Fernseher wurde kostenlos abgeholt. Aus der Reparatur wurde plötzlich ein Tausch gegen ein neues Gerät. Voraussetzung: ich musste die Transportkosten für den neuen Fernseher doch noch selbst bezahlen. Widerwillig entschloss ich mich zu diesem Deal, gegen einen Aufpreis von CHF 260.- bekam ich ein neues Gerät.

Ich bin mir sicher, dass ich das neue Gerät nur erhalten habe, weil ich irgendwann erwähnte, ich sei Jurist. Als "ganz normaler Konsument" würde ich wahrscheinlich heute noch auf meinen Fernseher warten. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen habe ich mir danach ganz genau angeschaut. Diese sind nach meiner Beurteilung teilweise missbräuchlich und irreführend, weil sie von der anwendbaren gesetzlichen Ordnung (in diesem Fall das Obligationenrecht - wonach man gem. OR 206 ohne weiteres ein neues Gerät oder Reparatur und Ersatz zu gute hätte, ohne irgendwelche Kosten tragen zu müssen) erheblich abweichen und dies in den langen AGB nicht besonders hervorgehoben wurde.

Also, aufgepasst beim Kauf über das Internet auf irreführende AGB. Bei defekten Geräten kann aus einer Preisinsel ganz schnell die Hölle werden. Der Gang zum Anwalt dürfte sich in diesen Fällen bestimmt lohnen.


Winterthur, 25.11.2006 / M.B.