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Südamerikas Bio-Insel vor dem Ende

Pestizidspuren machten vor zwei Jahren die Biosoja von hunderten von Biobauern in Südbrasilien unverkäuflich. Während sich deren Abnehmerin, die gebana Brasil, von den damaligen Verlusten wirtschaftlich am Erholen war, drehten die Geldgeber den Kredithahn zu. Dem schweizerisch-brasilianischen Pionierprojekt droht das Aus.

Vor zwei Jahren wurden in der biologischen Soja von Kleinbauern in Südbrasilien Spuren des Pestizids Endosulfan gefunden. Das Gift gelangte von der konventionellen Landwirtschaft in die Umwelt, wurde von den Bio-Sojabohnen aufgenommen und verringerte deren Marktwert enorm. Den Bauernfamilien und der gebana Brasil, Partnerfirma des Schweizer Fair Trade Unternehmens gebana, erwuchsen aus dieser Situation grosse Verluste. Die Bauern wehrten sich gemeinsam mit gebana und
lancierten die Aktion „Chega („Es reicht“ auf brasilianisch) – Kleinbauern gegen Pestizide“. Sie kritisierten, dass Gifte, die in Europa seit Jahrzehnten verboten sind, in Brasilien weiterhin verkauft werden und forderten ein sofortiges Verbot. Tatsächlich wurde Endosulfan daraufhin auch in Brasilien verboten, das Verbot tritt allerdings erst ab 2013 endgültig in Kraft. Aufgrund des weiterhin bestehenden, hohen Risikos gaben damals mehrere Familien den Bioanbau auf.

Seither gingen die Endosulfan-Spuren in der Biosoja jedoch zurück und die Bio-Soja konnte wieder verkauft werden. Doch jetzt zeigen sich die Spätfolgen der grossen Verluste von damals: Trotz des positiven operativen Resultats im Jahr 2011 erneuerten viele Banken der gebana Brasil die Kredite nicht. Als Folge der schrumpfenden Liquidität konnte die gebana Brasil bereits in diesem Jahr nur noch eine reduzierte Menge Biosoja kaufen. Neben der unsicheren Abnahme verringerte eine Dürre den Biobauern die Ernte, woraufhin dutzende Familien der Landwirtschaft den Rücken kehrten. Ein Teufelskreis, der für die grösste und älteste Anbauregion von Biogetreide in Lateinamerika das Ende bedeuten könnte.

Parallel dazu steigt die Nachfrage nach biologischer Soja. Betrugsskandale mit Biosoja aus Rumänien und Italien haben Anfang Jahr den Markt erschüttert und Behörden wie Einkäufer verunsichert. Eine vertrauenswürdige Bezugsquelle mit direktem Bezug zu den Produzenten gewinnt daher auch im internationalen Handel an Bedeutung.

Ab 2013 soll auch die Bedrohung durch Endosulfan ganz verschwinden. Zudem kann die gebana auf dem Gebiet der Entwicklung verbesserter Technologien für den Bio-Landbau Fortschritte verzeichnen:
Neues Bio-Saatgut und die Mechanisierung der Unkrautvernichtung sollen das Problem der Abwanderung der Arbeitskräfte langfristig lösen. Denn die Abwanderung der Bauern spielt den Grossbauern in die Hände, die das frei gewordene Landwirtschaftsland pachten oder aufkaufen und darauf genveränderte Soja anpflanzen, die dank dem Einsatz von Agrargiften weit weniger arbeitsintensiv ist.

Trotz dieser guten Rahmenbedingungen stehen die Chancen für die gebana und den Bioanbau in Südbrasilien aufgrund der finanziellen Lage schlecht. Bis September versucht die Schweizer gebana AG in einem letzten Kraftakt mit bisherigen und neuen Investoren, ihr Schwesterunternehmen in Brasilien zu sanieren. Gelingt dies nicht, hat der kleinbäuerliche Bioanbau in Südbrasilien kaum noch eine Chance und „Südamerikas Insel der Bio-Soja“, wie die NZZ unlängst titelte, wird wohl definitiv
von der Landkarte verschwinden.

Pressemitteilung zu Chega - Kleinbauern gegen Pesizide und gebana Brasil
Zürich, 27.07.2012