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"The Passion of Christ" als Versöhnung..

"The Passion of Christ" als Versöhnung zwischen Juden und Christen
Auch die Geschichte der Schöpfung beginnt mit den Bildern des Chaos. Doch die Elemente erhielten in einer Ordnung ihren Platz. In und über diese Ordnung wurde der Mensch als Gottes Ebenbild gestellt, gleichsam als Stellvertreter, Verwalter, Nutznießer und Erbe. Darum sehe ich in dem Film von Mel Gibson nur einen kleinen farbig aufblitzenden Splitter.

Zitat aus:
Süddeutsche Zeitung, Nr.63, Dienstag, den 16. März 2004 , Seite 3 , von Matthias Drobinski
» Vor dem Deutschland-Start des Jesus-Films von Mel Gibson distanzieren sich große Teile der christlichen Kirchen von der brutalen Darstellung. ( ... ) Die Kritiker halten dem entgegen, dass die christliche Botschaft reduziert wird auf ein Schauerstück. «

Diese Darstellung erscheint mir nicht als Reduzierung sondern nur als ein Teil des gesamten Heils-Geschehens.
Welche Bilder aus meinem Katechismus habe ich noch in meiner Erinnerung? War da kein blutiges Gesicht unter der Dornenkrone? Keine blutigen Hautfetzen auf dem Rücken bei der Darstellung der Geißelung?
Bin ich deswegen zum Antisemiten geworden?

Zitat aus:
Süddeutsche Zeitung, Nr.63, Dienstag, den 16. März 2004 , Seite 3
» Jüdische Organisationen werfen dem Film unterschwelligen Antisemitismus vor, wenn er den Hohepriester Kaiphas als kalten Funktionär und die Juden bis auf wenige Ausnahmen als dumpfe Menge zeige. «

Warum soll Kaiphas kein „kalter Funktionär“ gewesen sein können? Er wollte seine Machtposition erhalten.

Dazu das folgende Zitat
Süddeutsche Zeitung, Nr.63, Dienstag, den 16. März 2004 , Seite 3
Gnilka: » Ich glaube, dass die Mitwirkung des Hohenpriesters Joseph Kaiphas darin bestand, die Anklagepunkte zu sammeln, also den Prozess gegen Jesus vorzubereiten. Wobei man annehmen darf, dass sich Kaiphas und Pilatus ganz gut verstanden und kooperierten. «

Und war das Volk der Juden denn schon so gebildet, daß alle lesen und schreiben konnten?
Waren denn die Christen noch tausend Jahre später nicht auch eine ungebildete Masse?
Warum wollen sich die „Verteidiger des Judentums“ an diesen Bildern wieder so augenscheinlich „anstoßen“?

Einen Einblick in die rechtliche Würdigung der historischen Wahrheit fand ich in folgendem.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2004, Nr. 82, S. 40, von Klaus Rosen
Was ist historische Wahrheit? - Die Passionsschilderung der Evangelien erlaubt eine rechtliche Würdigung
» ( ... ) Würde man das Gewebe auftrennen, das die Überlieferungsstufen über den historischen Jesus gelegt haben, so müßte seine ursprüngliche Gestalt sichtbar werden. Das war die Hoffnung der Leben-Jesu-Forschung. ( ... ) Trotzdem könnte bei der Passion der "Rückwärtsgang" möglich sein. Hier stieß Jesus mit der politischen Welt der Römer zusammen. ( ... )
Das Synhedrium hatte seine Festnahme und die Anklage veranlaßt. In diesem höchsten jüdischen Gremium saßen neben dem amtierenden und den ehemaligen Hohenpriestern Schriftgelehrte und sogenannte Älteste. Unter den Mitgliedern überwogen die Vertreter der Oberschicht, der an einem guten, ihrem Wohlstand dienlichen Verhältnis zu Rom lag. Jesus war schwerlich der erste, den die Ratsherren antirömischer Umtriebe anklagten. ( ... )
Dieser naheliegende Informationsweg erklärt, was die Evangelien betonen:
Pilatus bezweifelte von Anfang an, daß Jesus im Sinn der Anklage schuldig sei. ( ... ) Dem Synhedrium, dem Bollwerk des frommen Israel, behagten Worte und Wunder des charismatischen Wanderpredigers nicht, von dem seine Jünger sogar behaupteten, er sei der Sohn Gottes. Seine Gegner wollten sich mit der politischen Interpretation seines Wirkens, die so stichhaltig zu sein schien, das "Schwertrecht" des Statthalters zunutze machen. Denn seit Judäa Provinz war, lag die Kapitalgerichtsbarkeit bei den Römern. Eine Anklage allein wegen religiöser Querelen hätte Pilatus, römischer Tradition folgend, nicht angenommen. ( ... ) «

Und einige Vertreter der christlichen Kirchen versuchen wieder, zu beschwichtigen und wollen gar wegsehen - und verbieten. Nur, weil einige vorlaute Stimmen von der jüdischen Seite nicht darauf verzichten können, ihren Götzen Antisemitismus wieder anzuposaunen.
Aber wir glauben daran, daß Gott seinen Sohn Mensch werden ließ, um die Menschen von ihrer Verdammnis zu erlösen.
In der Interpretation wird auch das verharmlost. Damit die Erlösertat Christi für unsere Sünden herabgesetzt wird?

Sehen wir uns doch die Welt an, wie sie noch leidet. Es ist das Leiden an unseren Sünden.
Arroganz gegenüber anders Denkenden, der Raub am Besitz des Nächsten und die Mißachtung der Menschenrechte, selbst von denen, die vorgeben, für sie einzutreten und sie zu schützen.
Man könnte glauben, die Erlösung, die ich im Katechismus gelernt habe, hätte nicht stattgefunden.
Wer sich der Sensationslust anschließt, in Zustimmung oder Ablehnung, hat ohnehin seinen Glauben schon verlassen, und damit auch die moralische Rechtfertigung, ein religiöses Werturteil abzugeben.

Eine überraschende Aufnahme des Filmes fand ich bei dem Bischof von Regensburg.
Aktuelles 05. April 2004, 13:18
http://www.kath.net/detail.php?id=7378
Bischof Müller: 'Passion Christi' bringt Menschen näher zu Christus
» Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller empfiehlt erneut den Gibson-Film „The Passion of the Christ“: „Ich bin nicht enttäuscht, sondern bereichert aus dem Film herausgekommen.“ «

Werden uns die Bilder des Holocoust nicht auch immer wieder vorgehalten? Warum nicht die Wirklichkeit des Erlösertodes? Wie „human“ wird die Zeit ausgesehen haben, in der das Christentum erst begann, wenn nach 2.000 Jahren Christenheit die Menschheit ihre Greueltaten noch nicht beenden konnte?
Sind wir nicht in allen Darstellungen im Theater und im Film „drastischer“ geworden. Warum jetzt hier schon wieder den strapazierten Antisemitismus kultivieren? Welcher Film hat sich in seinem Drehbuch schon ganz genau an die Vorlage im Buch gehalten?

Zitat aus:
chrismon - im April 2004, PASSION - Die Pforten der Kinohölle
» ( ... ) Die Helden von heute können gar nicht genug bluten. Passionsgeschichten als Mythen der Gegenwart. Blut auf der Leinwand? Grausame Bilder fand man lange Zeit nicht im Kino, sondern eher – in den biblischen Geschichten der Religionsfibeln. ( ... ) Das Kino war noch in den fünfziger Jahren der Ort, an dem Helden das Opfer zu vermeiden wussten. Es war dort zwar immer etwas los, aber es kam nie zum Äußersten. ( ... ) «

Die psychologische Wirkung von Filmen als Kränkung zu leugnen, ist jedoch nicht angebracht.

Zitat aus:
Die Tageszeitung, 06.04.2004
In einem gewohnt umfang- und kenntnisreichen Text denkt Georg Seeßlen über das "Kino als Kränkungsmaschine" nach.
» Der fundamentalistische Christenfilm 'Passion' stört den universalen Religionsbrei von 'The Matrix'. 'Lost in Translation' stört das Nationalismen-Amalgam von 'The Last Samurai'. 'Dogville' stört überhaupt die wohl dosierte Mischung von Intimität und Distanz in der Selbstkritik der amerikanischen popular culture. «

Ein anderes Beispiel für "Kino als Kränkungsmaschine" sind für mich eine Vielzahl von US-Western Filme.
Sind nicht die Indianer als wilde unzivilisierte Mörderbanden in den US-Filmen gezeigt worden?
Das war schon in der Zeit, als die Weißen Siedler aus den „zivilisierten“ Ländern die Kulturen der Indianer zerstört hatten. Die Indianer waren da schon zu den Entwurzelten geworden. Aber die „zivilisierten“ Weißen wollten das Bild von dem „wilden“ Indianer „behalten“, um sich nicht selbst als die Schuldigen in der „Geschichte“ sehen zu müssen.
Doch es war eben gerade das Bild, das die Weißen selbst mit Blut von den Indianern und ihrem Verfall gezeichnet hatten.

Wer das nachfolgende Zitat zu lesen beginnt, mag daran zweifeln, was das mit dem Film von Mel Gibson zu tun haben soll.
Süddeutsche Zeitung, Nr.65, Donnerstag, den 18. März 2004 , Seite 4, VON STEFAN ULRICH
Freiheit in Zeiten des Terrors
» Die Schockstarre hat nicht lange angehalten. Schon bald nach dem ( ... ) flüchteten sich viele, Politiker wie Bürger, in den Aktionismus, um sich ein wenig zu beruhigen.
Sie sehen al-Qaida, diesen jüngsten Menschheitsfeind, unaufhaltsam auf dem Vormarsch.
Vom Sieg des Terrors ist die Rede, der Untergang des Abendlandes wird - wieder einmal - beschworen, und in Amerika ziehen ( ... ) Analytiker ( ... ) Vergleiche mit der Bedrohung der Welt durch Adolf Hitler.
So verstörend die Terroranschläge auch sind - derartiger Pessimismus ist grundlos. ( ... )
Die westlichen Demokratien haben ganz andere Stürme überstanden und sich gegen den Totalitätsanspruch von Faschismus wie Kommunismus erfolgreich verteidigt.
Sie haben Millionen Opfer beklagt, Städte im Bombenhagel zerbersten sehen, Abermilliarden in die Rüstung gesteckt und die gesamte Energie ihrer Gesellschaften in den Überlebenskampf geworfen. Am Ende haben sie gewonnen und sind für ihre Feinde zum Vorbild geworden. Osama bin Laden hat nicht die Zerstörungskraft Adolf Hitlers und Josef Stalins.
Sein Terrorreich kann jeden Einzelnen treffen, doch es vermag nicht, alle gemeinsam niederzuringen.
Auf eines aber mag der Terrorpadron spekulieren: Dass die Menschen im Westen in Hysterie verfallen, der Sicherheit ihre Freiheit opfern und sich so am Ende selbst besiegen.
Klar sollte aber genauso sein, dass es auch absolute Sicherheit nicht gibt, schon gar nicht im demokratischen Rechtsstaat. Die Terrorgefahr lässt sich nur verringern, nicht aber aufheben.
So brutal es klingt: Die westlichen Demokratien werden auch künftig von Terrorattacken heimgesucht werden. Sie müssen lernen, mit diesem Risiko zu leben, ohne sich nach jedem Anschlag selbst in Frage zu stellen und den Sieg des Terrorismus an die Wand zu malen. Und die Bürger müssen lernen, dass das Gegenstück ihrer Freiheit die Gefahr ist. ( ... ) «
So ein Plädoyer bräuchte der Film von Mel Gibson!
Dem nicht der Verdacht des Antisemitismus „anhaftet“, sondern der ihm von konservativen Interpreten der jüdisch orthodoxen Seite „angeheftet“ wird. Die „Verteidiger des Judentums“ haben bisher zum Katechismus der Katholischen Kirche geschwiegen:

Zitat aus dem NT:
Matthäus 27. Kapitel,
20. Die Hohen Priester und die Ältesten indes beredeten das Volk, den Barabbas freizubitten, Jesus aber töten zu lassen.
22. Pilatus sprach zu ihnen: „Was soll ich denn mit Jesus machen, der Messias genannt wird?“
23. Da riefen alle: „Er soll gekreuzigt werden“
Er entgegnete: „Was hat er denn Böses getan?“
Sie aber schrien noch mehr: „Er soll gekreuzigt werden!“

Sie hätten auch eine andere Todesstrafe fordern können. Nein, sie verlangten das Kreuz.
Und sie begründeten das Verlangen mit dem Verstoß gegen die Gesetze der Juden und Roms.

Zitat aus dem NT:
Evangelium nach Johannes 5. / 18. u. 19. Kapitel ,

5.18 Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu toeten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob, sondern auch Gott
seinen eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich machte.

18.31 Da sprach Pilatus zu ihnen: Nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Es ist uns nicht erlaubt, jemanden zu toeten;

19.6 Als ihn nun die Hohenpriester und die Diener sahen, schrien sie und sagten: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn, denn ich finde keine Schuld an ihm.
19.7 Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich selbst zu
Gottes Sohn gemacht hat.
19.12 Daraufhin suchte Pilatus ihn loszugeben. Die Juden aber schrien und sagten: Wenn du diesen losgibst, bist du des Kaisers Freund nicht; jeder, der sich selbst zum Koenig macht, widersetzt sich dem Kaiser.

Wofür sind die Römer demnach von einer Schuld frei zu sprechen? Verfolgten die Römer den Sohn Gottes oder die Juden? War Christus für die Römer eine Gefahr? Ein Aufwiegler gegen die Römer? Nein, das war er nicht.
Und ist es nun die Wahrheit, die in der Bibel steht oder nicht?
Offensichtlich soll es doch die Wahrheit sein, denn jetzt erheben die Orthodoxen Konservativen, die sich immer im Kampf gegen den Antisemitismus sehen, gegen den Film den Einwand, die Römer würden von der Schuld am Tod Christi frei gesprochen.

Nun, hätte Pilatus den eifrigen Pharisäern nicht nachgegeben, was wäre dann geschehen?
Hätte der Hohe Rat der Juden Ruhe gegeben? Gewiß nicht, denn die Lehre Christi war eine Bedrohung für ihre Alte Religion. Also war Christus keine Gefahr für die Römer, sondern allein eine Gefahr für die Alte Religion der Juden.
Deswegen sollte Christus sterben. Bedauerlich, daß Pilatus sich nicht geweigert hat. So hätte die Geschichte dann ausgesehen. Christus wäre gewiß von den Juden - direkt - ermordet worden. Es hätte wegen Jesus eine Art religiöser Bürgerkrieg ausbrechen können.
So aber versuchten sie, ihren eigenen religiösen Mord der Besatzungsmacht der Römer unterzuschieben.
Ein politisches Arrangement, um einen unliebsamen Konkurrenten loszuwerden.
Sogar noch legal über die Besatzungsmacht, die sich die Rechtsprechung und die Todesstrafe in der Provinz Juda vorbehalten hat. Es wäre zu prekär gewesen, wenn die Juden an Christus einen religiösen Mord begangen hätten.
Ihrer Religion wäre dadurch ein noch größerer Schaden entstanden als durch die Kreuzigung Christi, bei der es sich erwiesen hat, daß er der menschgewordene Sohn Gottes war, der Messias, der Erlöser. Nur für die Juden war es noch nicht der Messias, sie erwarten noch einen anderen.

Aber welcher Erlöser soll nach dem kommen, der die Liebe predigte?
Was ist größer - und in einer Welt der Kriege so schwer verständlich - seinen Feind zu lieben?
Können „die Juden“ deswegen wirklich nicht verzeihen? Ihr junger Staat unterdrückt ein ganzes Volk, um sein Land zu besitzen. Diese Unterdrückung dauert schon dreimal so lange als sie von denen verfolgt wurden, denen sie immer noch nicht verzeihen wollen.
Die Eroberung des Landes wird wieder mit dem sogenannten „Heiligen Buch“ gerechtfertigt, dessen Lehre durch Jesus Christus aufgehoben worden ist. Gleichzeitig aber erinnern gewisse Vertreter des Judentums die an ihm Schuldig Gewordenen beständig daran, was sie ihrem Volk angetan haben. Sie haben diesen Messias nicht verstanden und sie werden ihn nie verstehen, solange sie den Neuen-Bund mit dem Sohn ihres Gottes verweigern.
Sie verstehen auch nicht, daß sie damit selbst diesen Ausschluß beständig erneuern.
Sie müssen auch stets von der Tatsache ablenken, daß sie längst selbst zu Verfolgern geworden sind, in dem sie sich immer noch dazu gedrängt fühlen,. auf die vergangenen selbst erlittenen Verfolgungen zu erinnern.

Wenn jetzt ein Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland, Herr Salomon Korn, Stellvertreter des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, eröffnet, den Römern werde in dem Film die Schuld genommen, so hat er offensichtlich weder den Katechismus der Katholischen Kirche gelesen, noch die Hintergründe dieses religiösen Mordes verstanden, den die Pharisäer seiner biblischen Altvorderen betrieben.
Sogesehen dauerte die Rechtfertigung des Mordes an Jesus, den die Juden forderten, durch seine Worte noch an.
Nein, die Verursachung dieses religiösen Mordes ist wohl in der Bibel eindeutig niedergeschrieben.
So steht es im NT, das die Juden jedoch nicht anerkennen.

Vielleicht ist auch das eine Schwierigkeit ( für Juden ), die Geschichte ( Jesu ) zu verstehen.
Die Römer hatten keinen Grund, Jesus zu töten. Für sie gab es nur politische Gründe für die Strafe der Kreuzigung.
Jesus aber „wiegelte“ das Volk nicht gegen die Römer als Besatzungsmacht auf. Er war überhaupt kein weltlicher oder gar „militärischer“ Befreier, den sich die Juden erhofften. Er predigte nur eine neue Religion.
Und weil er als der Messias bereits gesehen und verehrt wurde, darum wollten ihn die Pharisäer der Juden aus dem Weg schaffen. Sie sahen zu Recht ihre Alte Religion bedroht. Und sie spürten auch, daß ihr Alter Glaube dieser Neuen Botschaft nicht stand hielt. Sie „mußten“ Jesus töten. Aber mit einem von ihnen selbst begangenen Mord an Jesus hätten sie diesen Mord offensichtlich auf sich selbst geladen. Der Umstand, daß nur die Römer die Todesstrafe ausüben konnten, kam ihnen dabei sehr gelegen.

Jedenfalls sollte der Publizist Michel Friedman mit seinem Urteil zurückhaltender sein. Seine Worte „schüren“ ganz andere Erinnerungen, die sich in der Nähe von anderen „Vorsorgen“ bewegen könnten. An seiner „moderatorischen“ Urteilsfähigkeit, auch an einer eventuell wieder erlangten, hege ich die größten Zweifel. Dies betrifft besonders seine unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung vorgeschobene Sorge um die „religiös ungebildeten Kinobesucher“ .

Zitat von:
web.de - 11.03.2004
» Dagegen schürt nach Ansicht des Publizisten Michel Friedman der Film antisemitische Vorurteile.
In der «Bild»-Zeitung (Donnerstag) äußerte er seine Sorge um religiös ungebildete, junge Kinobesucher und die Beziehungen zwischen Christen und Juden. Gibson gehe «unverantwortlich und hochgefährlich» mit den Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) um, das ein wichtiger Schritt zur Verständigung zwischen den Religionen gewesen sei. Der Regisseur erkenne die Ergebnisse des Konzils nicht an und gehöre zu den «Fundamentalisten der christlichen Bewegung», sagte Friedman der dpa. (...)
Friedman, in dessen Familie zahlreiche Menschen Opfer des Holocaust wurden, sprach sich jedoch gegen ein Verbot des Films aus. Die Brutalität des Filmes wolle er nicht bewerten, da dies eine Frage der künstlerischen Umsetzung sei. «Die Kunst ist frei, aber unter ihrem Deckmantel darf kein Antisemitismus betrieben werden.» (...) «

In der Politik gilt ein Dementi oft als Bestätigung dessen, gegen das es sich wendet.
Das übersehen Herr Korn und Herr Friedman.
Ein Psychologe könnte außerdem versucht sein, dem Gedanken nachzugehen, ob es nicht das Gewissen aufgrund einer eigenen Schuld verursacht, andere auf eine Schuld beständig hinweisen zu müssen.
Wenn mich die „Wächter des Antisemitismus“ nicht auf diese „Tendenz“ in dem Film aufmerksam gemacht hätten, dann hätte ich gewiß keinen Gedanken auf diese Erwiderung verschwendet. Dennoch bin ich ihnen um diesen Anstoß zu meinem Bewußtwerden dankbar.

Was ich Gibson wirklich vorwerfen könnte, wäre seine Einstellung als Christ, wenn er das II. Vatikanische Konzil in seiner Gesamtheit ablehnte. Aber wer wüßte davon, ohne in den Texten des II. Vatikanischen Konzils selbst nachzulesen, denn in den Berichten der Journalisten wird dieser Punkt nicht ausführlich angesprochen.

http://www.stjosef.at/index.htm?konzil/konzil.php~mainFrame

2. Vatikanisches Konzil
11. Oktober 1962 - 8. Dezember 1965
Deutsch
Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen
"Nostra aetate"

» 4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist. ( ... )
Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (7).
Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (8.) ( ... )
Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich ( 11. ) ( ... )
Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien
sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (13.)
kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied
noch den heutigen Juden zur Last legen.
Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern.
Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.
Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben.
Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen.
So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.

5. Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern.
Das Verhalten des Menschen zu Gott dem Vater und sein Verhalten zu den Menschenbrüdern stehen in so engem Zusammenhang, daß die Schrift sagt: "Wer nicht liebt, kennt Gott nicht" (1 Joh 4,8).
So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht.
Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht.
Und dementsprechend ruft die Heilige Synode, den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus folgend, die Gläubigen mit leidenschaftlichem Ernst dazu auf, daß sie "einen guten Wandel unter den Völkern führen" (1 Petr 2,12) ( ... ) «

Diese Worte empfinde ich für mich im Angesicht der gegeneinander antretenden Meinungen als sehr heilsam.

Außerdem wird in einer Zeitung der Grund für den Tod von Jesus mit seiner angeblichen Verweigerung, die Steuerforderung der Römer zu erfüllen, als politisch angesehen. ( ? )

Zitat aus:
Süddeutsche Zeitung, Nr.65, Donnerstag, den 18. März 2004 , Seite 42
( ... ) Christian Stückl und Joachim Gnilka im Gespräch über Mel Gibsons umstrittenen Film ¸¸Die Passion Christi"
Gnilka: ( ... ) » Der Grund für das Urteil war doch politisch: Man wirft ihm vor, das Volk aufzuwiegeln, weil er verbietet, dem Kaiser Steuern zu zahlen und sich zum Messias-König gemacht hat. «
Das sagt der international angesehene Bibelwissenschaftler Joachim Gnilka, emeritierter Professor für Neues Testament der LMU.

Zitat aus dem NT:
Matthäus 22. Kapitel, Vers 15 bis 22, Die Steuerfrage:
17. Sag uns nun, was meinst du: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht?
19. „Zeigt mir die Steuermünze!“ Und sie reichten ihm einen Denar.
20. Und er fragte sie: „Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift?“
21. Sie antwortet ihm: „Des Kaisers.“
Da sprach er zu ihnen: „Gebt also was des Kaisers ist, dem Kaiser, und was Gottes ist, Gott!“

Das ist auch in ähnlichen Worten nachzulesen bei:
Markus 12. Kapitel, Vers 13 bis 17, Die Steuerfrage und Lukas, 20. Kapitel, Vers 20 bis 25, Die Steuerfrage
Wenn sich in die Diskussion um den Film von Mel Gibson eine derartige Irritation einschleicht, dann muß ich es den Vertretern des Judentums nicht mehr verübeln, wenn sie für ihre Sache retten wollen, was sie glauben retten zu müssen.

Bliebe eine letzte Warnung - eine aus der Bibel:
Das Evangelium nach Matthäus, 23. Kapitel, Vers 1 bis 36
Strafrede über die Schriftgelehrten und Pharisäer:
23.3. Tut und haltet alles, was sie euch sagen; nach ihren Werken aber richtet euch nicht; denn sie reden zwar, tun es aber nicht.
23.13 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, noch lasst ihr die, welche hineingehen wollen, hineingehen.
Auch bei Markus, 12. Kapitel, Warnung vor den Schriftgelehrten, Vers 38 bis 40
und bei Lukas, 11. Kapitel, Vers 38 bis 52:
11.39. Der Herr sprach aber zu ihm: „Ja, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel; aber das Innere von euch ist angefüllt mit Raub und Schlechtigkeit.

Mag sein, daß es so aussieht als hätte ich mich dazu gedrängt, bei den „Schriftgelehrten“ noch einen Platz ganz hinten einnehmen zu wollen. Oder sind diese Gedankenströme einfach durch die Wirkung des Mediums „Film“ zu erklären?

Zitat aus:
taz 6.4.2004 Kultur 398 Zeilen, GEORG SEESSLEN S. 15-16, Das Kino, die Kränkungsmaschine
» Das Kino gehört zu den multifunktionalen Instrumenten einer Gesellschaft. Es ist Geschmacksverstärker, Bildermaschine, Zeitkiller, Code-Manipulation, weiche Droge, Sinnproduktion und dies und jenes. «



Pesach sameach vekascher

Ein erlösendes Osterfest !
Ihr
Heinz Kobald

Kreuz in der Kirche "Allerheiligen" in München

am Nordfriedhof. "Christus, der den Tod überwunden hat" Zeichnung Heinz Kobald