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Gegen Antisemitismus-Vorwürfe jüdischer Verbände

Offener Brief betreffend Zurückweisung der Antisemitismus-Vorwürfe jüdischer Verbände an die EU.

Absender:
Heinz Kobald
Kemptener Str. 60
D 81475 München
mail to: heinzkobald@aol.com

München, 8. Januar 2004

An die
Financial Times Deutschland GmbH & Co. KG
vertreten durch den Geschäftsführer
Michael Rzesnitzek
Stubbenhuk 3
20459 Hamburg
Brieffach 02
20444 Hamburg

Sehr geehrter Herr Michael Rzesnitzek !

Es ist für mich sehr überraschend, dass von Leserbriefen zu diesem Thema, nur diejenigen zu lesen sind, die offensichtlich von Jüdischer Feder geschrieben wurden.
Ich hätte nicht gedacht, dass in einer Finanzzeitschrift sich so viele Artikel und besonders Leserbriefe mit dem Antisemitismus befassen.
Aber Geld ist ein besonderer Stoff – und er regiert die Welt. Nicht der so beschworene Antisemitismus.

Mit freundlichen Grüßen !

Ihr Heinz Kobald

Anlage: meine Antwort auf den Brief der Präsidenten des World Jewish Congress (WJC)
und des European Jewish Congress (EJC)

München, 14. Teweth 5764

Geschätzter Herr Edgar Bronfman,
Präsidenten des World Jewish Congress (WJC)

Geschätzter Herr Cobi Benatoff,
Präsident des European Jewish Congress (EJC)

Erlauben Sie mir, auf Ihren Brief zu antworten.

Die kategorische Zurückweisung der Antisemitismus-Vorwürfe jüdischer Verbände von der Europäischen Kommission durch den Sprecher von Kommissionspräsident Romano Prodi, Reijo Kemppinen, unterstütze ich voll und ganz.
Es ist erschreckend mit welcher beinahe neurotischen Phobie Sie sich als die Vertreter des Welt-Judentums mit Ihrer Vorstellung vom Antisemitismus umgeben.

Ich zitiere Ihre Worte:
» Während des vergangenen Jahrhunderts perfektionierte Europa den Antisemitismus, und wer den Kontinent von diesem Übel befreien möchte, kann nicht zulassen, dass einige Schurken, seien sie auf der Straße oder im Parlament, ein Volk beschmutzen, das keinerlei Lektionen in der Geschichte der Beschwichtigung und der Untätigkeit benötigt. «

Dabei lassen Sie außer Acht, welche Schuld jede Regierung Israels seit der Gründung des Staates Israel auf sich lädt, wenn sie das Volk der Palästinenser von seinem Land und Eigentum vertreibt.
In Europa findet keine Judenverfolgung statt.
In keinem Staat Europas sind Gesetze gegen Juden, ihre Bewegungsfreiheit, ihre Rechte, ihr Eigentum und ihr Leben verabschiedet worden. In keiner europäischen Staatengesellschaft werden die jüdischen Bürger des jeweiligen Staates von der Gesellschaft kollektiv ausgeschlossen und diskriminierend behandelt.

Mir sind ausreichend Bemerkungen von Persönlichkeiten der Jüdischen Öffentlichkeit gegenwärtig, die meinen Unwillen erregen. Gerade aus diesem Grunde bin ich jedoch weit davon entfernt, mich einem sogenannten Antisemitismus hemmungslos hinzugeben.
Es gibt ein Sprichwort: „Wer am lautesten schreit hat deswegen noch lange nicht Recht.“
Man hört so viele Stimmen, die immer wieder in das selbe Horn blasen. Der Antisemitismus beherrsche die Welt.
Diese Posaunenstöße bringen jedoch die Mauern des Antisemitismus nicht zum Einstürzen.
Bedauerlicherweise bewirken sie nur einen Unmut und Unwillen, sich zur Zeit beständig diesem unbegründeten Vorwurf des Antisemitismus entgegenstellen zu müssen.
Die Undifferenziertheit des kollektiven Vorwurfs selbst spricht nur gegen diese mahnenden Stimmen.
Es fehlt ihnen ganz offensichtlich an einer genügenden Unterscheidung der gegebenen Tatsachen. In dem wiederholten Vorwurf könnte eine tiefe Jüdische Neurose verborgen sein. Es genügen oft nur wenige Blicke auf die Leserbriefe, die sich auf den vermeintlichen Antisemitismus stürzen.

Ich zitiere: » ( ... ) Mehrheit der gewalttätigen antisemitischen Übergriffe in Westeuropa ( ... ) «

Diese Umfrage ist nur in 15 europäische Staaten durchgeführt worden. Diese Tatsache berechtigt nicht zu dieser unzutreffenden Auswertung, die Mehrheit der Übergriffe geschehe nur in Westeuropa. Der Report umfasst 109 Seiten und gibt nichts anderes weiter als die Ergebnisse einer der vielen europäischen Meinungsumfragen, die von der EU seit 1973 organisiert werden.

Zitat aus SZ vom 4. November 2003
„Israel bedroht Frieden am meisten“
» ( ... ) Noch nie hat eine Eurobarometer-Aktion so viel Aufsehen erregt wie diese Umfrage zum Thema „Irak und der Weltfrieden“. Das liegt vor allem an einer einzigen Antwort in 15 Schattierungen auf Seite 78. Da hatten die Meinungsforscher im Auftrag der EU-Kommission von 7.515 repräsentativ ausgewählten Personen in den 15 EU-Staaten unter anderem wissen wollen, welche Länder „den Weltfrieden bedrohen“. 59 Prozent aller befragten EU-Bürger setzen Israel in dieser Negativliste auf Platz eins, vor Iran, Nordkorea und die USA. Diesen drei Ländern gebührt nach Auffassung von 53 Prozent der Befragten der zweite Platz in der Hierarchie der Friedensfeinde. ( ... ) «

Danke für Ihr aufmerksames Zitat aus dem Neuen Testament: "Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen." Nicht allein Europa sollte diese Worte befolgen sondern besonders die Regierungen Israels.

Zitat aus Le Monde diplomatique Nr. 7208 vom 14.11.2003, 509 Zeilen, LEILA FARSAKH
PALÄSTINA, ISRAEL UND DAS MODELL BANTUSTAN - Umstellte Gebiete
Von LEILA FARSAKH *
* Forscherin am Centre for International Studies, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Boston.
» Bei seinem Besuch im Heiligen Land erklärte der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu:
"Vieles, was ich dort gesehen habe, entspricht den früheren Erfahrungen der Schwarzen in Südafrika. Ich habe beobachtet, wie die Palästinenser an Checkpoints und Straßensperren gedemütigt wurden. Sie erleiden dieselbe Behandlung wie wir damals, als junge weiße Polizeibeamte uns daran hinderten, uns frei zu bewegen." (1) The Guardian, 29. April 2002.
( ... ) Der naheliegendste und vielleicht ausschlaggebende Grund ist die Tatsache, dass beide Konflikte aus einer kolonialen Situation entstanden sind. Sowohl die weißen Siedler in Südafrika als auch die zionistischen Pioniere in Palästina kolonisierten ein Gebiet, das bereits von anderen bewohnt wurde. Und wie in Südafrika vertrieben auch die Siedler in Palästina einen Teil der einheimischen Bevölkerung (etwa zwei Drittel der Palästinenser, die auf dem Territorium des künftigen Israel lebten), eigneten sich deren Besitz an und machten diejenigen, die in den späteren jüdischen Siedlungsgebieten wohnen blieben, durch Segregation zu Bürgern zweiter Klasse. ( ... ) «

Bereits im Brief des britischen Außenministers, Lord Arthur Balfour, an den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Großbritannien, Lord Walter Rothschild vom 2. November 1917 wurde auf die Unverletzbarkeit der Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas hingewiesen.

Zitat: » ( ... ) wobei klar verstanden werde, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina ... beeinträchtigen könnte.( ... ) «

Dies hat jedoch Jüdische Nationalisten weder vor der Staatsgründung noch besonders danach gekümmert. Was jedoch Israelische Politiker keineswegs davon abgehalten hat, sie wiederholt als Berechtigung für den Staat Israel zu zitieren.

Was wir Europäer außerdem nicht vergessen haben:

Zitat aus SZ vom 21. September 2001
Israels Angriff auf den Hafen erbost die Niederlande
» Die Zerstörung des im Bau befindlichen Hafens im Gaza-Streifen durch israelisches Militär hat einen diplomatischen Streit zwischen den Niederlanden und Israel ausgelöst. „Das ist eine Provokation“, sagte Entwicklungsministerin Evelyn Herfkens. Die niederländische Regierung bestellte den israelischen Botschafter zur Aufklärung des Vorfalls ein. Israelische Panzer und Planierraupen hatten den Bauplatz zerstört.
Von dort aus, so die Begründung, sollen Palästinenser die israelische Siedlung Netzarim beschossen haben. Diplomaten und Bauarbeiter erklärten laut der Tageszeitung Trouw jedoch, dass dies von der abseits gelegenen Baustelle unmöglich sei.
Auf dem Gelände wehten darüber hinaus niederländische und französische Fahnen, und ein Schild wies darauf hin, dass der Gaza-Hafen von den Niederländern und Franzosen gebaut sowie mit Mitteln der europäischen Investitionsbank finanziert wird.
Der Plan, einen Hafen im Gaza-Streifen zu bauen, um die Wirtschaft Palästinas zu stärken, war im Oslo-Vertrag festgelegt worden. Frankreich und die Niederlande übernahmen die Initiative und stellten Geld zur Verfügung. Der niederländische Ministerpräsident Wim Kol, legte 1996 den Grundstein, kurz darauf eröffnete Frankreichs Präsident Jacques Chirac mit großem Zeremoniell die Baustelle. Seit Anfang 2000 ruht wegen der Intifada das etwa 140 Millionen Mark teure Projekt. «

Was diejenigen, die mit dem Vorwurf des Antisemitismus so leichtfertig umgehen, nicht vergessen sollten:

Zitat aus der Berliner Zeitung vom 6. November 1995
Die Kugeln trafen Rabin in seinem glücklichsten Moment
» Um 21.45 Uhr Ortszeit (20.45 Uhr MEZ) hatte Izchak Rabin noch den 100.000 Teilnehmern einer Demonstration für den Frieden auf dem Platz der Könige in Tel Aviv zugerufen: "Daß ihr hier steht, beweist es: Was alle wirklich wollen, ist Frieden und ein Ende der Gewalt." ( ... ) "Er sang mit uns das Friedenslied. ( ... ) Vielleicht war dies der glücklichste Augenblick seines Lebens." Als das Lied verklungen war, wandten sich Rabin und Peres, wegen Morddrohungen von 700 Polizisten geschützt, zum Gehen. Der Attentäter, der rechtsextreme Student Jigal Amir (27), lauerte am Fuße der Tribüne. Als Rabin um 21.50 Uhr auf dem Weg zu seinem Auto die unterste Treppenstufe erreichte, zog sein Mörder eine 9-Millimeter-Armeepistole Marke Beretta mit Dum-Dum-Geschossen, die besonders große Wunden reißen. Er feuerte dreimal. Eine Kugel traf den 73jährigen in der Nähe des Herzens, eine in die Wirbelsäule, eine in die Milz. Rabin brach wie gefällt zusammen. ( ... ) Ein hochrangiges Ärzteteam versuchte alles, um den Ministerpräsidenten zu retten - vergebens. Der Blutverlust war zu groß. Um 23.10 Uhr starb Rabin auf dem OP-Tisch. ( ... ) «

Den größten Feind für Israel sehe ich in Israel selbst.
Als Ursache für den beständig lauter erhobenen Vorwurf des Antisemitismus an uns Europäer könnte auf jüdischer Seite ein Problem ausgemacht werden: Junge Juden werden dazu erzogen und sie erziehen sich später weiterhin selbst dazu, überall in der Welt die Antisemiten zu sehen. Diese Haltung könnte aus psychologischer Sicht dem tatsächlichen Antisemiten als ebenso tief verwurzelt und Verderbnis bringend gegenüber zu stellen sein.

Zitat aus der Frankfurter Rundschau online 2004, Erscheinungsdatum 19.11.2003
( ... ) Israel, Europa und der Antisemitismus: eine Polemik
VON NATAN SZNAIDER * Der Autor ist Professor für Soziologie am Academic College in Tel Aviv.
» ( ... ) Hier in Israel wissen die Politiker natürlich Bescheid. Antisemitismus. Damit hat man schon immer alles erklärt. Von der Zerstörung des Zweiten Tempels über die Nazis und die Palästinenser und die Terroranschläge von Al Qaeda. Alles Antisemiten.
( ... ) Wir lächelten ein wenig, wenn unsere Kinder aus dem Kindergarten zurückkamen und uns erzählten, dass die Welt voller Antisemiten sei, und wie sie die Judenfeinde schön durcheinander brachten. Wir lächelten über diese Erziehungsmaßnahmen, über diese mythische Zeit, denn wir lebten in der Geschichte. ( ... ) „Stolz sind wir und stark, und wir erlauben uns sogar, gegen die Regierung zu sein, und natürlich gegen Scharon, den sowieso kein zivilisierter Mensch mag. ( ... )“ «

Zitat aus Deutschlandfunk Interview - 18.11.2003
Primor sieht keinen wachsenden Antisemitismus in Europa
Interview mit Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland
Dirk Müller: Herr Primor, das was Schalom gesagt hat, musste das den Europäern aus israelischer Sicht endlich einmal gesagt werden?
Avi Primor: Ich glaube, dass das gar nicht neu ist. Wir hören das in Israel seit Jahren. Zunächst einmal, dass die Europäer unausgewogen sind gegenüber dem Nahostkonflikt und eher proarabisch oder propalästinensisch seien. Das ist die Tradition in Israel zu mindestens seit 1980, seit dem Gipfel in Venedig, der für einen Palästinenserstaat sich ausgesprochen hat. ( ... ) Jetzt spricht man sehr viel von Antisemitismus, zunächst einmal, weil es tatsächlich Antisemitismus gibt, aber ich glaube nicht, dass der Antisemitismus in Europa wächst. Es gibt antisemitische Vorfälle, aber die werden meistens von arabischstämmigen Europäern verursacht und sind mit dem Nahen Osten verbunden.
Auf jeden Fall ist es sehr üblich, und ich würde sogar sagen bequem, die Europäer mit Antisemitismus zu beschuldigen, sobald sie die israelische Politik kritisieren. Das ist ja bequemer so, da muss man die Thesen der Kritiker nicht widerlegen, weil man behauptet sie wären nicht rational, sondern emotional. ( ... )
Müller: Sehen Sie denn, Herr Primor, auch die Europäische Union auf dem Weg der Einseitigkeit?
Primor: Nein, ich glaube nicht, dass die Europäische Union einseitig ist, aber was man sagen muss, ist, dass die Europäische Union keine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik hat und insofern gibt es verschiedene Stimmen aus Europa. ( ... )
Jetzt muss man differenzieren zwischen einer Kritik gegen eine bestimmte Regierung oder sogar besonders gegen eine bestimmte Politik, mit einer Feindseligkeit gegenüber einem Land oder einer Nation. Die Israelis machen diese Differenzierung nicht und insofern glaube ich, dass sie nicht im Recht sind. Aber was Schalom sagt, dass wenn die Europäer eine ausgewogene Politik betreiben würden, anders gesagt, wenn sie eher die israelische Regierung und weniger die Palästinenser unterstützen würden, würden sie mehr Gewicht im Nahen Osten haben, das glaube ich nicht, weil ich fest davon überzeugt bin, dass die Israelis nur Augen für die Vereinigten Staaten haben, weil wir von den Vereinigten Staaten total abhängig sind und auch weil die Vereinigten Staaten uns bedingungslos oder fast bedingungslos unterstützen. ( ... )
Müller: Sie kennen den europäischen Kontinent ja sehr gut durch ihre politische Erfahrung ja auch in Deutschland. Gibt es da so eine Art politische Falle für die Europäer, gerade auch für die Deutschen, dass ein Anti-Israelismus mit scharfer Kritik an der Regierung Scharon in Israel mit Antisemitismus gleichgesetzt wird?
Primor: Die Israelis haben ja eine gewisse Tradition mit der sie in den Schulen als Kinder schon aufwachsen und das ist die Tradition des Antisemitismus in Europa. Wir lernen als Kinder schon sehr viel von der Verfolgung der Juden in Europa zweitausend Jahre lang und natürlich ist dann der Gipfel dieser Geschichte der Holocaust. Und dann sagt man, die Europäer sind sowieso sehr anfällig, sehr schnell werden sie zu Antisemiten - und damit erklärt man jegliche Kritik gegen eine bestimmte Politik.
Müller: Habe ich Sie denn richtig verstanden, dass der Holocaust und Antisemitismus zum Teil in Israel politisch instrumentalisiert wird?
Primor: Ja, ich würde sagen, es gibt Politiker die instrumentalisieren den Antisemitismus und auch die Erinnerungen an Tragödien der Juden in Europa. Damit meinen Sie eigentlich nicht die Politik, die wir in den besetzten Gebieten zum Beispiel betreiben, oder die Politik gegenüber den Palästinensern, sondern sie sind gegen uns, sie hassen uns und das hat ja seine Wurzeln in der Geschichte. Das wird mehrfach überholt und es gibt Politiker, die das fast täglich der Bevölkerung sagen. Und die Bevölkerung, die diesbezüglich sehr empfindlich ist, aus verständlichen Gründen, glaubt das sehr leicht. «

Aufgrund dieser beiden Stimmen denke ich, gibt es auch in Israel eine tief verwurzelte Angst vor dem Antisemitismus, der unter Umständen dazu geeignet ist, die Objektivität bei der Beurteilung seines tatsächlichen Vorhandenseins zu trüben.
Was bei der Aufgeregtheit über die vermeintliche Zunahme eines sogenannten Antisemitismus nicht übersehen werden sollte, ist eine wesentliche Tatsache in der Mitte seiner heutigen Grundlage.

Zitat aus Die Welt, Artikel erschienen am 28. Nov 2003
Alter-neuer Antisemitismus - Wie islamistische Gruppen und Globalisierungsgegner ihn befördern
von Werner Bergmann und Juliane Wetzel
» Vor einem Jahr beauftragte das European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia der EU in Wien das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, den Antisemitismus in Europa zu untersuchen.
Die Studie datiert vom Januar 2003, ( ... )
Wir baten die Autoren, Werner Bergmann und Juliane Wetzel, Professor und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung, um eine Zusammenfassung. Seit der Welle antisemitischer Übergriffe im Frühjahr 2002 wird über einen "neuen Antisemitismus" in Europa diskutiert, der sich nicht mehr nur gegen einzelne Juden, sondern im Gewand des Antizionismus gegen den Staat Israel richte.
In der Tat besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Mobilisierung des Antisemitismus und der Entwicklung des Nahostkonflikts. Mit Beginn der sogenannten zweiten Intifada im Oktober 2000 nahm in vielen europäischen Ländern die Zahl antisemitischer Übergriffe und Äußerungen von September auf Oktober sprunghaft zu und die weitere Eskalation in Dschenin und Bethlehem löste im letzten Jahr die erwähnte antisemitische Welle aus. Meinungsumfragen bestätigen die Zentralität des Nahostkonflikts. So glauben nach der jüngsten Emnid-Studie zwei Drittel der Deutschen, dass "die Politik Israels in den besetzten Gebieten" wesentliche Ursache für eine kritische Meinung über Juden sei, ( ... ) «

Darum sollte auch entsprechend der berechtigten Forderung, nicht in allen Juden kollektiv die Schuldigen für die Politik Sharons zu verurteilen, auch eine entscheidende Differenzierung zwischen dem kollektiv instrumentalisierten Vorwurf des Antisemitismus und dem Unwillen in der Kritik an der Regierung Israels eingehalten werden.
Diese Erfordernis ist jedoch weder im Inhalt noch in der ungehörigen Wahl der Worte in der folgend zitierten Bemerkung erfüllt:

» Während des vergangenen Jahrhunderts perfektionierte Europa den Antisemitismus, und wer den Kontinent von diesem Übel befreien möchte, kann nicht zulassen, dass einige Schurken, seien sie auf der Straße oder im Parlament, ein Volk beschmutzen, das keinerlei Lektionen in der Geschichte der Beschwichtigung und der Untätigkeit benötigt. «

In keinem Staat Europas finden sich diskriminierende Gesetze gegen irgendeine ethnische Minderheit. Jedoch schaffen die Regierungen Israels beständig Gesetze, die die Rechte der in Israel lebenden arabischen und nichtjüdischen Bevölkerung lebensbedrohlich beschneiden.
Dazu ist der Staat Israel die Demokratie, in deren Parlament mehr Rechtsradikale vertreten sind als in irgendeinem Parlament eines europäischen Staates, wenn es dort überhaupt Rechtsradikalen gelingt, einen Platz zu erhalten. Sogar Morddrohungen gegen Palästina werden von diesen gewählten Volksvertretern der Rechtsradikalen ausgesprochen, ohne dass sie von ihrem Amt zurücktreten müssen. Danach beurteile ich jede Regierung Israels und jeden, der diese Politik unterstützt.
Es geht vielmehr darum, wie sich die Regierungen Israels der Weigerung, UN-Resolutionen zu erfüllen, stellen wollen. Der sogenannte Antisemitismus wird dann bald nicht mehr diese Wertstellung einnehmen.
Diese Gegebenheiten in Israel empfinde ich so gravierend, dass ich den Vorwurf gegen einen angeblich zunehmenden sogenannten Antisemitismus in Europa geradezu als unbedeutend anzusehen gezwungen werde.

Aus den Infografiken der Frankfurter Rundschau:
» Die Zusammensetzung der Knesset bis Oktober 2002

Parteien in der Regierungs-Koaltition mit Ariel Sharon
Schas Partei (ultraorthodox) 17
Nationalreligiöse Partei 5
Vereinigtes Torah-Judentum 5
Israel durch Einwanderung 4

In der Opposition:
Unser Haus Israel / Nationale Union (ultrarechts) 7 «

Demnach saßen mindestens 38 Rechtsradikale Politiker in der Knesset. Ein beachtlicher Anteil bei insgesamt 120 Sitzen.

Schweigen ist ein Versäumnis, und dieses Versäumnis wird zur Schande. Darum werde ich nicht schweigen. Sie haben dazu aufgerufen, das Schweigen zu brechen.
Wie soll ich aber damit umgehen, wenn sich eine Demokratie mehrheitlich dafür entscheidet, völkerrechts-verbindliche UN-Resolutionen des Sicherheitsrates nicht zu befolgen? Dies dürfte in dieser Konstellation und vor dem Hintergrund des beständig im Mund geführten Vorwurfs eines zunehmenden Antisemitismus in der Neuzeit eine beachtenswerte Besonderheit darstellen. Dabei kann ich es nicht unterlassen, Sie wiederholt darauf hinzuweisen, mit welchem verachtenswerten Wort Sie Angehörige der Parlamente Europas benannt haben.

Zitat aus SZ vom 1. Dezember 2003
Leitartikel - Der doppelte Scharon
» Auch nach drei Jahren im Amt bleibt die meist gestellte Frage in Israel: Was eigentlich will Regierungschef Ariel Scharon?
( ... ) Dabei betreibt Scharon ( ... ), wenn er die Auflösung jüdischer Siedlungen in Aussicht stellt. Allein in diesem Jahr hat Scharon den Bau von 1.627 neuen Wohnungen und Häusern in den besetzten Gebieten verfügt. Gegenüber US-Außenminister Colin Powell rechtfertigte er dies damit, dass er schwangere Siedlerinnen ja wohl nicht zur Abtreibung auffordern könne. ( ... ) «

Zitat aus folgenden Quellen: haArez (Aluf Benn), Jedioth achronoth (Shimon Schiffer), hagalil.com 07-08-03
Auf dem Weg zum Frieden - Terje Roed-Larsen über Scharon in Oslo
» Scharon in Norwegen: ( ... ) Sharon schlug Norwegens PM vor, Tausende Palästinenser aufzunehmen
PM Sharon bestand darauf, bei seinem Norwegen Besuch, die Hauptstadt Oslo zu übergehen und kam direkt in die Kleinstadt Molde, ins Sommerhaus seines norwegischen Kollegen. ( ... ) Bei dem Treffen, das in einer freundschaftlichen Atmosphäre stattfand, brachte Norwegens PM Bondevik eine lange Liste von Forderungen an Israel vor.
Er rief Israel auf, die Siedlungen total einzufrieren, trotz des natürlichen Wachstums. Darauf antwortete Sharon: „Als gläubiger Christ, würden Sie Abtreibungen fördern? Was soll denn ein junges Paar machen, das eine Familie in einer Siedlung gründen möchte?“ «

Derartige Bemerkungen sind durchaus geeignet, eine antijüdische Stimmung zu beeinflussen. Über eine Verstehbarkeit dieser Auswirkung will ich hier nichts andeuten. Derartige Worte beweisen für mich auf eine sehr deutliche Art die Sachlichkeit ihres Inhalts und ihrer Aussage. Des weiteren dokumentieren sie auch, mit welcher Bereitschaft die gebotenen Gepflogenheiten des Diplomatischen Sprachgebrauchs verlassen werden.
Einem Staatsmann auf der selben Rangebene zu unterstellen, er würde einer schwangeren Frau zur Abtreibung raten, ist ohne Zweifel sehr außergewöhnlich.
Diese Antworten kann ich nur als sehr radikal und äußerst bedenklich einstufen. Wenn mir ein Gesprächspartner derartige Worte entgegensetzt, sehe ich mich nicht dazu veranlaßt, mich darüber Illusionen hinzugeben, ihn allein mit Worten zur Friedfertigkeit und Einsicht bewegen zu können. Noch dazu, wenn sich mein Gegenüber selbst auf dem Boden des Unrechts gegen das Völkerrecht befindet.

Was mich weitaus bedenklicher stimmt als die angebliche Zunahme eines sogenannten Antisemitismus ist der Zustand der Zivilbevölkerung in Palästina.

Zitat aus der Frankfurter Rundschau vom 11. November 2003
UN beklagen große Armut der Palästinenser - 25 Prozent der Kinder unterernährt ( ... )
» ( ... ) Das Leben der Palästinenser in den von Israel besetzten Gebieten wird immer "verzweifelter", berichtet das UN-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge. Einen Rapport der UN-Menschenrechtskommission über die Lage im Gaza-Streifen und der Westbank wies Israel vorab als diffamierend zurück. ( ... )
Allein im Gaza-Streifen seien im Oktober durch die Bombardierung oder Sprengung von Häusern durch das israelische Militär 298 Familien obdachlos geworden, berichtete der Generalkommissar des UN-Hilfswerks für Palästinaflüchtlinge UNRWA, der Däne Peter Hansen, am Montag in Genf. In den vergangenen drei Jahren hätten die Aktionen der Besatzungstruppen im Gaza-Streifen 12 700 Menschen ihrer Wohnungen beraubt, "die Zahl der Obdachlosen steigt jeden Tag weiter an", erklärte Hansen.
Die israelische "Sicherheitsmauer" an der Grenze zu den Palästinensergebieten wird nach UN-Angaben das Leben von 135.000 Menschen beeinträchtigen. Viele Palästinenser würden durch den Bau praktisch in ein Niemandsland gezwungen, sagte Hansen.
Die Regierung von Premierminister Ariel Scharon müsse diese Politik überdenken.
Mehr als 60 Prozent der drei Millionen Palästinenser im Gaza-Streifen und der Westbank leben unterhalb der Armutsgrenze und müssen mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen, berichtete Hansen.
Über eine Million Menschen in den besetzten Gebieten müssen von UNRWA ernährt werden, weil die Einschränkung der Bewegungsfreiheit, der Verlust der Arbeitsplätze in Israel und das häufige Eindringen israelischer Truppen die Wirtschaft in den palästinensischen Territorien schwer geschädigt haben.
Nach den UN-Statistiken leiden in manchen Gegenden 25 Prozent der Kinder an chronischer Unterernährung. Das Budget von UNRWA halte mit der Verschlechterung der Lage nicht Schritt, klagte Hansen. So habe die Verteilung von Nahrungsmitteln im Gaza-Streifen halbiert werden müssen. Statt der 2,7 Millionen Dollar, ( ... ) «

Es gibt da noch ein Sprichwort: „Jeder kehre vor seiner eigenen Türe.“
Z.B. die diskriminierende Gesetzgebung gegen ethnische Minderheiten in Israel. Damit soll Israel ein „rein jüdischer Staat“ sein.

Zitat aus ftd.de, Mo, 24.11.2003, 15:46
Scharon beschuldigt EU des ´kollektiven Antisemitismus´
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat Europa "kollektiven Antisemitismus" vorgeworfen. ( ... )
In einem Interview mit dem Online-Informationsdienst "EUpolitix.com" bezeichnete Scharon gleichzeitig die wachsende Zahl von Muslimen innerhalb der EU als Gefahr "für das Leben der Juden". ( ... ) "Wir stehen in Europa einem Antisemitismus gegenüber, der immer existierte und wirklich kein neues Phänomen ist", meinte Scharon. Die Europäer würden nicht zwischen Israel und den Juden unterscheiden. "Wir sprechen hier von einem kollektiven Antisemitismus. Der israelische Staat ist ein jüdischer Staat und beides wird miteinander gleichgesetzt", sagte Scharon.

Ich zitiere: » ( ... ) europäischen Zensoren hat der Krieg gegen den Antisemitismus, die älteste Form von Rassismus auf der Welt, eine schwere Niederlage erlitten ( ... ) «

Dagegen haben die Menschenrechte durch Europas Nachsicht mit den Regierungen Israels schwere Niederlagen erlitten.

Wenn Herr Sharon die Europäer kollektiv als antisemitisch verurteilt, dann könnte ich den Juden einen ebenso kollektiven Vorwurf entgegenhalten: Sie sind gegen die Einhaltung der Menschenrechte ! Dazu muß ich zu bedenken geben, dass ich das „den Juden“ keineswegs und schon gar nicht „kollektiv“ zum Vorwurf weder in Gedanken noch in Worten tun kann.
Denn immerhin treten achtungswerte Persönlichkeiten gegen Sharons Politik an. Zudem sind in Israel unüberhörbar Friedensbewegungen aktiv.

Wenn ich mich so umhöre, dann erfahre ich oft die Meinung, dass gerade diejenigen, die sich so lauthals mit ihrem Vorwurf gegen die Europäer und besonders uns Deutschen gegen den angeblich zunehmenden sogenannten Antisemitismus wenden, geradezu damit erst das trockene Holz in die Flammen werfen.
Die bereits zitierte Bemerkung erscheint mir dafür besonders geeignet zu sein:

» Während des vergangenen Jahrhunderts perfektionierte Europa den Antisemitismus, und wer den Kontinent von diesem Übel befreien möchte, kann nicht zulassen, dass einige Schurken, seien sie auf der Straße oder im Parlament, ein Volk beschmutzen, das keinerlei Lektionen in der Geschichte der Beschwichtigung und der Untätigkeit benötigt. «

Noch dazu übersehen diejenige mit dem starren Scheuklappenblick, dass es sich hier überwiegend um den Unwillen aller gerecht denkenden Menschen handelt, die es als eine ungeheuere Zumutung empfinden, ständig zu einer unbedingten Solidarität mit Israel aufgefordert zu werden. Die Regierung Israel kann diesen Anspruch keineswegs erheben, dass sich die Europäer und besonders nicht die Deutschen bedenkenlos hinter die sogenannte Siedlungspolitik Israels stellen. Das verbietet uns Deutschen die Verpflichtung in unserem Grundgesetz, überall in der Welt für die Einhaltung der Menschenrechte einzutreten.
Die Bezeichnung Siedlungspolitik verharmlost den gewaltigsten und gewaltsamsten Landraub der Gegenwart und die Vertreibung eines Volkes von seinem Land und Eigentum. Dieses Streben aller Regierungen Israels, ganz Palästina zu einem Groß-Israel auszuweiten verstößt gegen das Völkerrecht.
Darum halte ich Konferenzen, die sich zum Ziel setzen, den Antisemitismus in Europa Einhalt zu gebieten für nicht so vordringlich. Wesentlich entscheidender – auch für die zuvor genannte Entwicklung - ist das Ansinnen, Israel in seinem Bestreben, das Land der Palästinenser vollends für sich zu erobern, endgültig in seine Schranken zu verweisen.
Mit dem Schweigen der Europäer seit 1967 und der Tatenlosigkeit gegenüber dem Durchsetzen der UN-Resolution gegen Israel verletzt Europa ein weit größeres Rechtspotential als es der Vorwurf trifft, der sogenannte Antisemitismus in Europa nähme zu.
Diese Aufregung über den sogenannten Antisemitismus erscheint auch noch aufgrund einer anderen Tatsache in einem besonderen Licht. Mir ist zu Ohren gekommen, dass Premier Ariel Sharon einen Arbeitskreis gebildet hat, jeder Kritik an Israel mit dem Vorwurf des Antisemitismus zu begegnen. In diesen Arbeitskreis hat er unter anderem Fachleute aus dem militärischen Bereich, den Geheimdiensten, der Psychologie, der Kommunikationstechniken und der Medien berufen.
Offensichtlich erleben wir gerade die Auswirkungen der Bemühungen dieses Arbeitskreises.

Zitat aus Die Welt, Artikel erschienen am 18. Nov 2003
Israelis debattieren über möglichen Antisemitismus in Europa
Tel Aviv - Als "neuen Trend in Europa" sieht der Kommentator der Zeitung "Ma'ariv" den Antisemitismus.
» ( ... ) Israels Medien berichteten nur in wenigen Zeilen und noch weniger Sendesekunden über angekündigte Projekte der EU im Kampf gegen Antisemitismus. Von der Genozidkonferenz in Brüssel bis hin zur Konferenz zum Kampf gegen Antisemitismus, zu der Bundespräsident Johannes Rau einlud.
Ein wichtiger Aspekt im Kampf gegen Terror ist die Kontrolle der Angst, erinnern seit eh und je Experten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Angstverbreitung ist daher sein Ziel.
Vor allem die Medien sind dabei der Kanal, über den sich die Angst verbreiten kann. Die Israelis haben es gelernt, ihre Ängste vor dem Terror zu kontrollieren. Mit ihren Ängsten vor dem Antisemitismus tun sie sich schwerer. «

Zitat aus Neue Zürcher Zeitung, 27. Dezember 2003
Kritik an Israel und Antisemitismus
» ( ... ) Wo verläuft die Grenze zwischen legitimer Kritik am Hardliner-Kurs der Regierung Sharon und antisemitischer Stimmungsmache? Die amerikanische Philosophin Judith Butler, die selber jüdischer Herkunft ist, hat sich vor einigen Monaten in einer vielbeachteten Antwort auf entsprechende Vorwürfe des Harvard-Präsidenten Lawrence Summers entschieden gegen leichtfertige Gleichsetzungen zur Wehr gesetzt.
Wenn der Vorwurf des Antisemitismus dafür verwendet werde, die israelische Besetzungspolitik vorbehaltlos zu verteidigen, dann verliere dieser Vorwurf radikal an Glaubwürdigkeit - und zwar auch dort, wo er tatsächlich berechtigt sei, zum Beispiel bei rassistischer Agitation gegen Juden in Europa.
Zu den Voraussetzungen für eine nüchterne Antisemitismus-Diskussion gehört der verantwortungsvolle Umgang mit Fakten, Begriffen und Proportionen. Wer Sharons Politik kritisiert, muss sich an diese Adresse halten und kann nicht „die Juden“ kollektiv dafür haftbar machen. Solche Verallgemeinerungen sind ähnlich provozierend und verletzend wie Unterstellungen, ganz Europa sei dabei, vom Gift des alten Antisemitismus überschwemmt zu werden.
Luftige Verschwörungstheorien sind in der Politik immer gefährlich.
Sie lenken nur von der mühevollen Aufgabe ab, für sehr konkrete Probleme - in diesem Fall den israelisch- palästinensischen Konflikt - praktische und faire Lösungen zu finden. «

Gerade das vermute ich auch hinter der Inszenierung des Vorwurfs einer Zunahme des Antisemitismus besonders in Europa. Es ist ein zu vordergründiges Ablenkungsmanöver von den Bestrebungen Israels in Palästina. Europa soll damit diskreditiert werden, für die Teilnahme bei der Lösung des Nah-Ost-Konflikts nicht qualifiziert zu sein. Oder noch effektiver, sich erst gar nicht damit befassen zu können, weil es sich selbst im Antisemitismus gefangen hält.

Ich zitiere die Autoren des Briefes: „ ( ... ) schmeckt nach intellektueller Unaufrichtigkeit und moralischem Betrug. ( ... )“

Ich wage es daher, Ihnen Ihre unhaltbaren Anschuldigungen hiermit zurückzugeben. Eine beleidigende Absicht verfolge ich damit nicht. Vielmehr erwarte ich, dass Sie über Ihre Worte nachdenken. Auch über diese anmaßende Feststellung:

Ich zitiere: » ( ... ) das keinerlei Lektionen in der Geschichte der Beschwichtigung und der Untätigkeit benötigt. ( ... ) «

Dieser Ansicht, die Regierung Israels benötige keinerlei Zurechtweisung, kann ich ebenfalls in keiner Weise zustimmen.
Mit dem gezielten Vorwurf der Regierung Sharon an allem, in dem ein abgrundtiefer Antisemitismus erkannt werden will, scheint Premier Sharon seinen jungen Staat in eine gefährliche Staatsneurose treiben zu wollen. So sehe ich weniger in Europa den Patienten, der von seinem Antisemitismus gesunden muß, als vielmehr in der Regierung Israels, der eine eingehende Therapie zunächst gegen ihre Phobien gut täte. Mit Erfolg wird dies jedoch nicht allein durch Leserbriefe geschehen.

Mit aufrichtigen Grüßen und hoher Achtung vor Ihrer Person !

Shalom !

Ihr Heinz Kobald / mail to: heinzkobald@aol.com